Was qualifiziert einen Politiker?
April 20th, 2011 |Die aktuelle, hochbrisante Diskussion um Sebastian Kurz als Staatssekretär für Integration bewegt die Massen. Wenn damit schon gar nichts anderes erreicht wird, dann wenigstens, dass sich die Jugend doch einmal mit der Politik auseinandersetzt. Das gilt ja nach wie vor als großes Problem – unser “Desinteresse” (darf i überhaupt noch “unser” sagen, wenn i von der Jugend red? Uiuiui, die Zeit is a Hund). Interesse ist gut. Sich mit etwas auseinanderzusetzen kann kaum schaden.
Jetzt ist es in Sachen Politik immer recht leicht, Kritiker als auch Befürworter einer Besetzung ihrer Glaubwürdigkeit zu entledigen: Sie eifern natürlich für ihr präferiertes politisches Lager. Ganz klar. Findet jemand gut, dass Sebastian Kurz jetzt Staatssekretär ist, dann wohl, weil er ÖVP-Anhänger ist. Und findet es jemand schlecht, dann – natürlich – weil er einem anderen politischen Lager angehört.
Ich bin kein parteipolitischer Anhänger von irgendjemandem. Meiner Meinung nach ist auf Bundesebene keine Partei aus Überzeugung wählbar. Es ist eine Wahl des geringeren Übels. Insgesamt bin ich kein Fan unserer politischen Landschaft – ganz egal, um welche Partei es geht. Und ich finde es gut, dass Sebastian Kurz mit seinen 24 Lenzen Staatssekretär ist. Genauso, wie ich es gut fand, als Laura Rudas in den Nationalrat einzog.
Weil ich es wichtig finde, dass junge Menschen eine Stimme haben. Man mag jetzt behaupten, dass ein oder zwei junge in der gesamten Polit-Szene nicht viel Unterschied machen. Man könnte aber auch behauptet haben, dass ein farbiger Spieler in der NFL nicht viel Unterschied gemacht haben dürfte. Irgendjemand muss damit anfangen. Irgendwann müssen die ersten auftauchen. Mit der Zeit werden es mehr, und irgendwann wird es ganz normal sein, dass ein Mittzwanziger ein hohes politisches Amt bekleidet.
Die Frage in der Politik ist ohnehin nicht, wie alt jemand ist. Sondern wie qualifiziert. Und damit meine ich keine fachliche Qualifikation – die ist nämlich Nebensache. Wie ein CEO eines Unternehmens muss der Leiter eines politischen Ressorts kein Experte in diesem Fachgebiet sein. Das mag komisch klingen, Führungspositionen bringen aber nunmal völlig andere Herausforderungen mit sich. Eine Führungskraft hat gar nicht die Zeit, sich intensiv mit der fachlichen Materie auseinanderzusetzen – sie muss führen.
Das bedeutet, die Bedürfnisse vieler unter einen Hut zu bringen. Das bedeutet, sicherzustellen, dass die Abteilung den Anforderungen gerecht wird, ihre Aufgabe erfüllen und ihre Mitarbeiter fröhlich halten kann. Das bedeutet, dafür zu sorgen, dass die Abteilung sowohl öffentlich als auch Betriebsintern gut dasteht. Das bedeutet, dafür Sorge zu tragen, dass die Abteilung mit den nötigen Ressourcen versorgt ist. Es bedeutet, Entscheidungen zu treffen und die Richtung für die Abteilung vorzugeben – und sich dabei nicht nur Freunde zu machen. Das bedeutet Meetings, Telefonate, Diskussionen, öffentliche Auftritte. Da ist nicht viel Zeit für konzentriertes, fachliches Arbeiten.
Somit sind die Anforderungen an einen hochrangigen Politiker meiner Meinung nach keine fachlichen. Ein hochrangiger Politiker muss eine starke Persönlichkeit sein. Sich durchsetzen können – im Interesse seiner Abteilung nach außen und im Auftrag der Regierung nach innen. Er muss seine Entscheidungen vertreten und dafür einstehen. Er muss idealistisch genug sein, seinen eigenen Weg zu gehen und flexibel genug, dabei die nötigen Umwege zu gehen, um nicht mit dem Kopf gegen die Wand zu stoßen. Er braucht Enthusiasmus und unglaubliche Motivation, um jeden Tag weiterzumachen.
Meiner Erfahrung nach sind junge Menschen idealistischer. Enthusiastischer. Viel eher bereit für Veränderungen. Flexibler. Junge Menschen haben Visionen, sie wollen die Welt verändern und “etwas bewegen”. Junge Menschen sind eher bereit, Energie “für eine Sache” zu investieren. Und genau deshalb finde ich wichtig, dass wir junge Menschen in der Politik sehen. Zum Beispiel Sebastian Kurz. Zum Beispiel Laura Rudas.