Hilfe, mein Mac! Schritt für Schritt diagnostizieren
May 17th, 2010 |Vorgestern hat sich mein schöner iMac Aluminium 24″ unsanft verabschiedet. Aus heiterem Himmel. Vor etwa vier Jahren hat mein PowerBook G4 plötzlich beschlossen, den Dienst zu verweigern.
Macs sind etwas eigen: Sie laufen einfach. Dafür gehen sie dann aber genauso sang-und-klanglos über den Jordan.
Während mein iMac einem Hardwareproblem zum Opfer gefallen ist, hatte das Powerbook nur ein Software-Leiden. In beiden Fällen war es aber notwendig, Fehler zu finden und Daten zu retten. Und das ist immer mühsam. Deshalb hier meine Tipps & eine Step-by-Step Hilfe mit den wichtigsten Tricks für ein Notfall-Backup.
1. Vorsorgen ist besser als Nachhelfen
Das Pferd nicht totreiten
Jajaja, klingt blöd. Is aber so: Ein Mac will gepflegt werden. iMacs sind nicht für exzessive Grafikkarten-Auslastung geeignet. Apple Notebooks auch nicht. Wer auf seinem Mac spielen oder anderweitig Grafikkarten-malträtierende Dinge tun will, sollte sich einen Mac Pro anschaffen. Ein Standgerät mit viel Belüftung.
Schmiegeln & Striegeln
Oder: Putzen und ausschalten. Staub ist der größte Feind des feinen Innenlebens eines Mac. Das gilt vorrangig für Standgeräte – die sollten monatlich ordentlich mit Druckluft gereinigt werden. Aber auch den iMac und das PowerBook muss man nicht unbedingt im staubigsten Eck betreiben. Die Kleinen haben vor allem gern Probleme mit Überhitzung, also: Immer mal wieder für längere Zeit ausschalten. Nicht nur in den Ruhezustand schicken.
Ertränken & ersticken
Kühle, trockene Luft tut einem Mac gut. Wer seinen Rechner im unbelüfteten Bad betreibt wird nicht lange Freude daran haben. Die Kühler brauchen Luft, die sie tauschen können – in abgeschotteten Ecken und/oder Regalen (vielleicht noch mit Tür) gibt’s davon nicht viel. Hohe Luftfeuchtigkeit mag nach Übertreibung klingen, ich empfehle aber dringend, die Wäsche nicht direkt neben dem Mac zum Trocknen aufzuhängen.
Back up!
Ein oft gesungenes Lied. Meistens lernt man erst durch den ersten Fehler. Oder den zweiten. Meine Empfehlung: Wertvolle Daten auf externe Festplatten sichern, essentielle Daten online speichern (zum Beispiel mit DropBox oder SugarSync, die beide sehr unkomplizierte, kostenlose 2GB-Varianten anbieten). Kein Backup? Keine Panik. Es gibt da so ein paar Mittelchen und Wege.
2. Uh-Oh, das erste Symptom
Meiner Erfahrung nach tut der Mac brav seinen Dienst, bis man irgendwann auf einen seltsamen, sehr technischen Fehler stößt. Ein Programm meldet, dass die Festplatte repariert werden muss. Oder die Zugriffsrechte. Oder der Rechner verabschiedet sich plötzlich, nur um dann sang- und klanglos neu zu starten. In diesem Fall:
Backup erneuern.
Falls kein Backup vorhanden, Backup erstellen. Sobald alle Daten & Einstellungen gesichert sind, kann man relativ entspannt mit dem Problem umgehen. Oh, der Rechner lässt sich gar nicht erst booten? Dann hilft …
Unser Freund, der TargetMode
Macs haben die wundervolle Eigenschaft, sich als externe Festplatte booten zu lassen. Dazu den Rechner herunterfahren und beim Startvorgang “T” gedrückt halten. Es erscheint ein FireWire-Symbol auf dem Bildschirm und der Mac kann jetzt über den FireWire-Port als externe Festplatte an ein anderes Gerät angeschlossen werden. Sogar Macs, die sonst nicht mehr gebootet werden können, schaffen es meist noch in den TargetMode und bieten damit vollen Zugriff auf die wertvollsten Teile des Rechners: Unsere Daten.
Du bist nicht allein!
Egal, wo das Problem liegt – die Wahrscheinlichkeit, dass schon jemand anderer davor gestanden hat, ist immens hoch. Ich empfehle, während des gesamten Prozesses viel zu teilen. Das Netz zu durchstöbern, in Foren nachzufragen und ein bisschen auf die Hilfe anderer zu vertrauen. Dabei aber nur nichts überstürzen!
3. Das Backup und seine Probleme
Was backupen?
Man sollte sich gut überlegen, was man alles ins Backup aufnehmen will. Nur der “Dokumente”-Ordner bedeutet, alle Einstellungen zu verlieren. Der gesamten Benutzer-Ordner kann zig GB nicht so wichtiger Filme und Co. enthalten. Manche Programm-Einstellungen liegen vielleicht doch woanders. Grundsätzlich empfehle ich: Nicht überstürzen. Gut überlegen, was man alles sichern möchte. Einen typischen Tagesablauf durchgehen. Dann nochmal überlegen. Dann Backup starten.
Wohin backupen?
Grundsätzlich auf ein externes Medium. Alles, was sich innerhalb des Mac befindet, und nicht während der Reparaturen getrennt werden kann, ist unsicher. Eine externe oder Netzwerkfestplatte wären optimal. Ganz wichtige Daten empfehle ich ohnehin online zu sichern, zum Beispiel mit den schon erwähnten Tools DropBox oder SugarSync.
Was gibts noch zu beachten?
Backups sind eine kleine Wissenschaft für sich und es gibt viele, viele, viele gute Beiträge dazu im Netz. Noch ein wichtiger Tipp: Optimaler Weise ist das Backup-Medium im Mac-Dateisystem formatiert. Das beliebte FAT32 mag zwar für Windows-Crossuser praktischer sein, kann aber nicht für die Sicherung von Volume-Images und übergroßen Dateien verwendet werden. Das kann zu mühsamem, händischen Aussortieren der Files führen. Also lieber die Platte Mac formatieren. Vorsicht auch bei reinen Volume-Image-Backups: Wenn der Fehler innerhalb des Systems liegt, liegt er auch im Image und man importiert ihn mit der Sicherung wieder.
4. Das Boot – dich kriegen wir schon noch hoch
A.) Was für ein Wortwitz! B.) Manchmal will der Mac uns nicht mehr ins System lassen. Dann sind uns aber noch lange nicht die Hände gebunden. Hier die wichtigsten alternativen Boot-Methoden, die alle nach dem selben Prinzip initiiert werden: Während des Startvorgangs Tasten gedrückt halten. Hier die hilfreichsten Kombinationen, alle weiteren findet man bei Apple.
Safe Mode mit der: Shift-Taste
Der Safe Mode ist ein “rudimentärer” Startvorgang. Es werden nur essentielle Systemkomponenten geladen und damit Fehlermöglichkeiten minimiert. Über den Safe Mode gelangt man oft in ein scheinbar nicht-bootfähiges System und kann dort weitere Diagnosen durchführen, Reparaturen vornehmen oder Daten sichern.
Verbose Mode mit: Apfel+v
Der Verbose Mode startet den Mac in Terminal-Ansicht. Eine gute Methode erste Hinweise zu finden, falls sich der Rechner beim Start aufhängt, weil man die letzten Meldungen vor dem Exitus lesen, notieren und anschließend googeln kann.
Booten von CD/DVD mit: C
Will man ein Diagnoseprogramm starten oder das System neu installieren kann man mit der Taste “C” den Bootvorgang aus dem DVD-Laufwerk erzwingen.
5. Trial & Error: Woher kommt das Problem?
Was hat sich kürzlich getan?
Einer der wohl am häufigsten bei Service-Hotlines gehörte Satz ist “ich habe gar nichts gemacht!”. Manchmal mag das schon stimmen, meistens haben wir aber selber die Finger im Spiel gehabt. Das mag zwar unangehm sein, aber es ist wichtig. Wir kennen das von unserem Lieblings-Diagnostiker Dr. Gregory House: Wenn nicht alles, was getan wurde, berücksichtigt wird, geht der Patient langsam tot.
Software
Wurde unmittelbar vor Auftreten des Problems neue Software installiert? Software geupdated? Ist ein Programm abgestürzt, oder haben wir es mit “Sofort Beenden” abgewürgt? Wurde Software verwendet, die das System “optimiert” oder “personalisiert”? Diese kleinen Helfer mögen verlockend sein, können aber oft zu Problemen führen.
Peripherie
Wurde unmittelbar vor Auftreten des Problems neue Geräte angeschlossen? Abgesteckt? Hat ein Gerät den Geist aufgegeben (vielleicht unbemerkt)? Wurde ein Gerät an einen anderen Anschluss gesteckt? Wir suchen nach Anomalien. Alles, das anders ist als vor dem Problem. Oft sind es Winzigkeiten, die zu größeren Problemen führen. Tritt das Problem auf, wenn man alle Geräte (inkl. Maus & Tastatur) aussteckt? Falls nicht: Gerät für Gerät wieder einstecken. Wenn das Problem wieder da ist gibt es zwei Möglichkeiten: 1.) Das Gerät verursacht das Problem, oder 2.) der Anschluss.
6. Wissen ist Macht – Diagnostizieren
Immer langsam mit den jungen Pferden!
Nie direkt nach einer Diagnose behandeln! Wenn ein Problem auftritt empfehle ich stark, alle drei Basis-Diagnosen laufen zu lassen, und nicht nach einer Zugriffsrechtsprüfung, die ein Problem aufzeigt, gleich die Reparatur zu starten. Nicht rumdoktern, solang man nicht weiß, wo der Wurm drin ist.
Apple Hardwaretest
Auf einer der mitgelieferten Installations-DVDs ist der Apple-Hardwaretest zu finden (mehr Infos hier). Starten tut man den so: DVD einlegen, Mac herunterfahren, neu starten und “D” gedrückt halten. Der Mac bootet nun direkt in den Hardwartest. Ergibt der Schnelltest keine Fehler, schadet es bestimmt nicht, den erweiterten Test laufen zu lassen (der allerdings auch mal etwas länger dauern und so aussehen kann, als hätte er sich aufgehängt – einfach durchhalten, das wird schon). Sollte der Test einen Fehler melden empfehle ich Google, oder einen Apple-Servicepartner aufzusuchen. Außer man weiß genau, was man tut – dann nur immer fröhlich drauflos basteln! Wen auch immer man um Rat fragt, er wird nach anderen Diagnoseergebnissen fragen, also alles nennenswerte notieren und weiter zum nächsten Schritt:
Volume überprüfen
Über das Festplatten-Dienstprogramm lässt sich, wenn man von der Installations-DVD bootet (s.o.) das Boot-Volume überprüfen. Sollten hier Probleme angezeigt werden noch nicht gleich die Reparatur starten! Die Meldungen notieren und eine ausführliche Google-Recherche starten. Viele Mac-Leiden sind keine Neuheit und relativ einfach zu beheben. Eine hervorragende Community, in der man sehr schnell Antworten erhält, findet man auch hier. Wie zuvor gilt: Alles scheinbar ungewöhnliche und/oder interessante notieren und weiter zur nächsten Diagnose.
Zugriffsrechte überprüfen
Auch bei normal gebootetem System lassen sich über das Festplatten-Dienstprogramm die Zugriffsrechte der Dateien prüfen. Durch die *nix-Architektur des Systems können falsche Rechtevergaben in Ausnahmefällen zu realtiv drastischen Problemen führen. Wieder gilt: Diagnostizieren & notieren, nicht reparieren und verschlimmbessern.
7. Looos!
Wenn man sich gut informiert hat sollte man jetzt ein gewisses Bild vom Problem und eine Ahnung davon haben, wie man an die Sache rangeht. Das Backup ist gemacht. Es kann losgehen! Viel Glück beim Reparieren :)
8. Abschließende Bemerkungen
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Auch wenn die Mac-Community stark und hilfsbereit ist, sollte man nicht alles glauben und sofort für bare Münze nehmen. Auch Forenuser irren sich. Mehrere Meinungen und ein paar verifzierende Tests sind Goldes wert.
Nicht in ein Symptom verbeißen
Oft gibt eine der Diagnosen eine Meldung. Es gibt ein Problemchen, das aber gar nix mit dem wirklichen zu tun hat. Also immer ganzheitlich denken und alles andere auch ansehen. Wenn ein Problem immer wieder auftritt, ist es vielleicht selbst nur ein Symptom.