Was wir sagen, was wir meinen
October 2nd, 2009 |“Wahr ist nicht, was A sagt, sondern was B versteht.”
Naja. Das Problem liegt tiefer. Wahr ist nicht, was A sagt, sondern was A meint.
Und wir sagen das, was wir meinen, meistens sehr kryptisch. Unser Gegenüber nimmt es dann auf, interpretiert und zieht einen Schluss – kommt also wieder zu einer Meinung.
Ein ganz schön komplizierter Weg, den so eine Aussage nimmt.
Nachricht – Formulierung (Kodierung) – Transport – Interpretation (Dekodierung) – Meinung
Und jetzt wirds erst richtig kompliziert:
Die Nachricht wird nicht nur in Worten, sondern auch nonverbal kommuniziert und nuanciert.
- Nachricht
- verbale Formulierung
- nonverbale Formulierung
- Transport
- nonverbale Interpretation
- verbale Interpretation
- Meinung
Und der nonverbale Teil passiert noch dazu zum überwiegenden Großteil unbewusst.
Die meisten Menschen machen sich nicht allzu viele Gedanken, wie genau sie etwas sagen. Welche Gesten sie dazu machen. Was genau sie sagen. Wie ihre Körperhaltung dabei aussieht. Welche Worte sie wählen werden. Wär auch etwas mühsam, sich jeden Satz dreimal zu überlegen und eine Choreografie zu basteln, bevor man ihn sagt. Auf der anderen Seite steht der Zuhörer, der sich auch nicht viele Gedanken über die Kommunikation macht, sondern meistens recht ungeduldig darauf wartet, endlich selber was sagen zu können.
Noch nicht kompliziert genug? Setzen wir noch die vier Ebenen drauf, die jede Nachricht hat:
- Information
- Appell
- Gefühl
- Beziehung
Huch? Alles, was wir sagen, kann auf vier Arten gemeint sein und in vier Arten aufgenommen werden:
“Die Ampel ist rot!”
- Die Ampel ist rot.
- Bleib stehen!
- Ich fühle mich unwohl.
- Du fährst schlecht.
A will nur sagen “die Ampel ist rot”, B nimmt das auf als “du fährst schlecht” und schon haben wir einen schönen Ehestreit, von dem beide überzeugt sind, der andere hätte damit angefangen.
Ganz schön kompliziert, diese Kommunikation.
